Archiv

Galapagos (Teil 2)

Tag 4

Floreana, wie es summt und brummt. Am Morgen, nach dem Seven-Theerdy-Fruehstueck ging es auf Erkundungstour, rauf in die gruenen Huegel. Steile Haenge liessen bald Schweissbaeche fliessen, denn es war drueckend heiss. Die Muecken liessen auch nicht lange auf sich warten und machten es sich auf unseren Beinen, Armen, Ruecken und Koepfen gemuetlich. "Hut ab" an alle, die sich nebst dem Mueckenschlagen noch auf irgendwas konzentrieren konnten, ich konnte es nicht. Nur gelegentlich schnappte ich einige Brocken auf, so zum Beispiel, dass hier einst Piraten und Walfaenger in Hoehlen lebten und ab und zu mal 'ne Schildkroete als Lebendproviant aufs Schiff mitnahmen.
Alles in allem fiel der Ausflug also unter die Kategorie "Kratzen und Vergessen". Wenigstens die kalte Dusche danach enttaeuschte nicht.

Nach dem Mittagessen brachte uns "Christine" zu unserem naechsten Ziel: Isabela. Die Seepferdchenfoermige Insel ist die groesste des Galapagos-Archipels und laut Pablo ist sie auch eindeutig die schoenste. Er sollte Recht behalten.
Puerto Villamil heisst das beschauliche Dorf im Suedosten der Insel mit seinen staubigen kleinen Strassen, seinen vielen Restaurants und seinem entspannten Flair. 10 Gehminuten von unserem Hotel enfternt raekelt sich ein weisser, feiner Sandstrand zwischen Strandhaeuschen, Mangrovenwaeldern und Pazifikwasser hindurch, bis er sich irgendwo weit hinten verliert. Es gibt nicht viele Touristen, der Strand ist mehrheitlich leer. Wer will kann sich mit Surfbrett in die gemaessigt aggressiven Wellen werfen und probieren, sich wenigstens zwei, drei Sekunden auf dem Brett zu halten (was keiner unserer Gruppe schaffte; ich hatte es, in weiser Vorausahnung, gar nicht erst probiert). Man kann aber auch, wie ich es bevorzugte, den Strand hinunterspazieren, der Sonne entgegen, sanft troepfelnde "Iron & Wine" auf den Ohren, hin und wieder verwirrende Fussabdruecke setzen und sich vorstellen, wie sich spaeter vielleicht jemand maechtig darueber wundern wird und sich dabei freuen wie ein Kind. Zum-Kind-Werden geht hier sowieso so gut wie nirgends sonst. Man spielt mit Wasser, Sand und Schlamm, man kann sich melancholisch daran erinnern, wann man das zum letzten mal getan hat und sich dann fragen, wo das alles bleibt, das Spielen, das Wundern ueber die Natur und das Freuen. Geht das nur auf den Galapagosinseln?

Tag 5

Isabela hat aber nicht nur Straende, sondern auch Vulkane (natuerlich, so sind sie schliesslich auch entstanden). Fuenf Stueck insgesamt, zwei im Sueden, drei im Norden, groesstenteils immer noch aktiv, verleihen sie der Insel einen etwas ruhelosen Charakter. Den groessten und aktivsten Vulkan, den Sierra Negra, wuerden wir heute in Angriff nehmen. Sein letzter Ausbruch im Oktober 2005 war ein riesiges (opferloses) Spektakel und dessen Spuren wuerden wir heute mit eigenen Augen sehen.

Der Aufstieg war recht angenehm, mit gutem Wetter und relativ flach ansteigendem Gelaende. Durch gruene Vegetation hindurch ging es recht zuegig hinauf zum Kraterrand. Der Blick ins Innere war, gelinde gesagt, imposant. 10x9 km misst die grauschwarze Flaeche, aus der an einigen Stellen Kondenswasser aufdampft wie tausend kleine Vulkanschlote. Die Flaeche - die Caldera - liegt vielleicht 100 Meter abgesackt unterhalb des Kraterrandes, eingestuerzt vor vielen tausend Jahren.
Auf dem Rand wanderten wir zu den erstarrten Lavaauslauefen vergangener Ausbrueche, die wir nach dem Mittag unter Pablos Leitung eingehend betrachten durften. Die Vegetation wechselte schlagartig, dort, wo die Lavastroeme einst sich ueber die Pflanzenwelt ergossen und nichts zurueckliess ausser erstarrtes poroeses Gestein. Aber die Natur ist so erpicht auf Leben, dass selbst hier, irgendwie, die Pflanzen zu wachsen vermoegen: Kakteen und Buesche im offenen Lavafeld, Moose und Farne in regenfeuchten Kratern und "lava tubes", erstarrte, hohle Lavatunnel, die sich durch die Landschaft schlaengeln. Einfach unglaublich, wie man in diesem so lebensfeindlichen Umfeld ploetzlich gruene Oasen in Hoehlen findet, Mikrowelten isoliert und ganz fuer sich. Aber sie funktionieren.
Der Abstieg war dann nicht mehr ganz so schoen, denn es fing an zu regnen und der sowieso schon recht schlammige "Pferdeweg" wurde noch tiefer und matschiger. Aber mit unseren Trekkingschuhen und den Regenjacken waren wir bestens ausgeruestet und kamen heil wieder unten an.

Der Abend wurde standardmaessig in "Beto's Bar" am Strand verbracht, mit viel Mueckenspray (zwar nicht so schlimm wie auf Floreana aber nach Sonnenuntergang waren die Biester auch hier recht aufdringlich) und einigen Flaschen Bier. Und Caipirinha.

Tag 6

Der zweite Ausflug auf Isabela fuehrte uns zu der Wall of Tears (Mauer der Traenen), ein 100 Meter langes, 7 Meter hohes Konstrukt aus vulkanischem Gestein. Gebaut wurde die Wall of Tears von Straeflingen, die von 1946-1959 hier auf Isabela in einer Strafkolonie festgehalten wurden. Der Name ruehrt von den vielen Opfern, die dieses eigentlich gaenzlich nutzlose Gebilde gefordert hatte: Viele der Gefangenen starben wegen Krankheit oder Erschoepfung bei ihrer Beschaeftigungsarbeit, einen Brocken auf den anderen zu legen.
Also, nicht nur schoene Sachen sind hier auf den Galapagosinseln passiert und auch das war eine gute und wichtige Erfahrung.

Vor der Ueberfahrt zur naechsten und fuer uns letzten Insel, bekamen wir die Moeglichkeit, noch einmal die wundersame Unterwasserwelt der Galapagosinseln zu betrachten, auf dem letzten Schnorchelgang der Tour. Da mich aber gerade ein ziemlich hartnaeckiger Sonnenbrand plagte, beschloss ich, das Schnorcheln auszulassen und mich stattdessen in eine der Haengematten im Innenhof des Hotels zu legen und statt Pinguinen und Mantarochen lieber den Wolkenschaefchen zuzuschauen. Deshalb hier leider keine weiteren Schnorchelimpressionen aber ihr habt ja hoffentlich auch etwas Fantasie

Nach der Rueckkehr der Schnorchler und dem Mittagessen fuhren wir auf der Christine zu unserer Endstation: zur Insel Santa Cruz. Das Hafenstaedtchen Puerto Ayora ist der eindeutig betriebsamste von uns besuchte Ort. Restaurants und Souvenirshops reihen sich nahtlos aneinander und bieten dem konsumfreudigen Touristen mehr als genug Moeglichkeiten, sein Geld loszuwerden. Aber trotz der etwas aggressiven Fassade ist der Ort eigentlich nur niedlich und entspannt und wunderbar geeignet als spaetabendliches Spaziergangspflaster.

Tag 7

Sie sind gross, schwer und wahnsinnig langsam: Riesenschildkroeten gibt es zuhauf auf den Inseln, vor allem auf Santa Cruz. Sie leben meist wild, zum Teil aber auch in Gehegen. Wir hatten die Moeglichkeit, beides zu erleben. In einer Riesenschildkroetenaufzuchtstation sahen wir die kleinsten der kleinen, gerade erst geschluepft und knapp tennisballgross. In ihrer natuerlichen Umgebung vielen Gefahren ausgesetzt, geniessen sie hier groesste Aufmerksamkeit und Schutz, so dass sie spaeter, wenn sie gross genug sind, wieder zurueck in ihr natuerliches Habitat gebracht werden koennen. Dort werden aus den Tennisbaellen riesige gepanzerte Klopse, bis zu 400 kg schwer und irgendwie durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Wahrscheinlich liegt in der Ruhe auch das Geheimnis zu ihrem schier unglaublichen Lebensalter: die aeltesten Exemplare werden auf ueber 150 Jahre geschaetzt.
Wer dann in die Augen eines solchen Titanen sieht, der glaubt ihm dieses Alter auch sofort; eine grosse Tiefe liegt in diesen Augen, viel Weisheit, auch viel Schmerz und menschenverursachtes Leid. Man kann sich leicht in ihnen verlieren.

Nach den Riesenschildkroeten wartete eine begehbare "lava tube" auf uns, mit etwa 1km Laenge. Ein bisschen wie Indiana Jones fuehlte ich mich, als wir durch die dunklen, feuchten Woelbungen schritten, durch die vor sehr, sehr langer Zeit einmal fluessige Lava floss.

Es folgte der letzte Abend auf den Galapagosinseln. Natuerlich kam er schon viel zu frueh und niemand haette sich ueber ein paar zusaetzliche Tage beschwert aber so sind Reisen nun mal: sie gehen irgendwann zu Ende.
Das gemeinsame Essen war spektakulaer: Thunfisch, Fleisch und Gemuese wurde auf heissen Lavasteinen serviert und gebraten, so dass dicke, wohlriechende Dampfwolken sich ueber den ganzen Tisch verbreiteten. Wie zart alles war, ich darf gar nicht daran denken...

Spaeter, ich verabschiedete mich etwas frueher von der Tafelrunde, genoss ich den goldig gluehenden Abend fuer mich allein bei einer frischen bestrohhalmten Kokosnuss im Dorfzentrum und liess ein letztes mal die einzigartige Galapagosatmosphaere auf mich wirken.

Tag 8

Letzter Tag, Tag der Abreise. Am Vormittag besuchten wir "Lonesome George", eine Riesenschildkroete, die als letzte ihrer Art existiert und deswegen ganz schoen einsam ist. Lonesome George ist in der Charles Darwin Research Station untergebracht und lebt dort seine letzten Tage in (trauriger) Beruehmtheit. Menschliche Ignoranz hatte seine Art an den Abgrund gebracht und er als letzter Ueberlebender ist imposantes Mahnmal unseres zerstoerenden Tuns. Schwerfaelllig, anklagend und einsam zieht er jetzt in seinem Territorium umher. Irgendwie hatte ich das Gefuehl, mich bei ihm entschuldigen zu muessen. Armer George.

Am Flughafen merkte ich, wie der technologieschwangere, naturferne Alltag wieder seine haesslichen Klauen nach uns ausstreckte. Turbinengebrumm, Metalldetektoren, Flughafengetummel. Die Wunder krochen zurueck, um dem Mondaenen platz zu machen, das kindliche Staunen machte Platz fuer genervtes Ertragen des Gegebenen und die anonyme Masse heisste einem aufs Neue willkommen. Das wars also, Galapagos, schoen dich kennengelernt zu haben. Dein Geheimnis, zum Glueck, ist sicher verstaut, tief in unseren Herzen und Koepfen, geschuetzt vor allen Klauen.

Wir hatten viel gesehen und erlebt in diesen paar wenigen Tagen. Eine komprimierte, konzentrierte Erlebniswoche mit fast schon zu vielen Eindruecken, um sie alle richtig wuerdigen zu koennen. Wenn ich jetzt zurueck denke an unsere Zeit auf den Inseln kommt mir alles ein bisschen vor wie im Traum. Es war eine Woche, in der wir sehr intensiv mit der Natur in Beruehrung kamen, wo uns kleine und grosse Wunder des Lebens gezeigt wurden, die uns zum Nachdenken brachte. Da tauchten ganz existezielle Fragen (wieder) auf, ueber Ursprung und Sinn dieser Welt, aber auch praktische Fragen ueber Verantwortung und Sorgfalt mit der Natur. Da offenbarten sich persoenliche Fragen, zum eigenen Ich, zum Kind in Sich, zum wertvollen Akt des Wunderns und spielerischen Entdeckens. Und auch Fragen des sozialen Zusammenseins, von Sorgfalt zu einander, vom gemeinsamen Geniessen.

Es war nicht das, was wir uns vorgestellt hatten, es war nicht schlechter oder besser, es war einfach vollkommen anders und einzigartig. Galapagos als Erfahrung war fast so weit entfernt von anderen Erfahrungen wie der Archipel vom Kontinent. Und fuer uns, als Menschen, sicher ebenso wertvoll.

--David

3 Kommentare 6.5.08 01:44, kommentieren



En la selva (27. Maerz - 6. April)

Um 6.00 Uhr morgens (2 Tage nach der Rueckkehr von den Galapagos-Inseln) klingelte der Wecker. Ich haette gern noch weiter geschlafen, aber um am Nachmittag unser Boot zu erwischen, mussten wir den 9-Uhr-Bus von Quito nach Tena nehmen. Also stand ich auf und packte meine Sachen. Nachdem wir unsere Waesche beim Waescheservice abgeholt hatten und etwas Geld abgehoben hatten, schnappten wir uns ein Taxi und fuhren zum Busbahnhof. Es ist sehr einfach in Ecuador den richtigen Bus zu finden, weil die Kassierer auf dich zukommen und fragen, wohin du willst. Dann fuehren sie dich zum Ticketschalter bzw. Bus.
Der Kassierer von unserem Bus sah irgendwie aus wie die Latino-Version von Leonardo di Caprio. Er hatte so eine laessige Art. Eigentlich sind alle Kassierer recht laessig. Der durchschnittliche Kassierer haengt zuerst in der Tuer und ruft den Leuten am Strassenrand den Zielort zu. Dann springt er vom noch fahrenden Bus und versucht die Leute zusammenzutrommeln. Als der Bus schon wieder losfahren will und man das Gefuehl hat, er kommt nicht mehr, ist er ploetzlich wieder da und haengt in der Tuer.
Nach dem Verlassen der Stadt, haelt der Bus nur noch selten an, um ein paar Leute aufzugabeln. Pinkelpausen machen die meisten Busse nicht, auch wenn die Fahrt 5 oder 6 Stunden dauert und man die Beine schon fast nicht mehr spuert (wie in unserem Fall an diesem Tag). Womoeglich ist dies das Geheimnis des Gestanks nach Urin, der nicht selten in diesen Bussen herrscht...*wuerg*
Der Bus nach Tena hatte nicht einmal ein Klo, also musste ich nach etwa 2,5 Stunden um einen kurzen Halt bitten. Er waere dann fast ohne mich losgefahren, waere David nicht gewesen.

Je naeher wir dem Dschungel kamen, desto mehr veraenderte sich die Vegetation, es wurde gruener, man sah mehr Palmen. Auch am Temperaturunterschied merkte man, dass man die Anden hinter sich gelassen hatte.
In Tena nahmen wir den Bus nach Barantilla. Die Fahrt dauert normalerweise etwa 1 Stunde, wir hatten aber etwa eine halbe Stunde laenger, weil ein Baumstamm ueber dem Strassengraben lag und unser Bus mit dem Gepaeck auf dem Dach zu hoch war. Trotz der Verspaetung wartete ein Motorboot in Barantilla auf uns.

Der Rio Arajuno - ein kleiner Zufluss des Rio Napo, der durch das Amazonasbecken fliesst und spaeter in den Amazonas muendet - liegt mitten im Urwald. Es sieht genau so aus, wie ich es aus Dokumentarfilmen und Fotos ueber den Amazonas kenne. Grosse, von Lianen umschlungene Baeume haengen ueber dem breiten gruenlichen Fluss, der gemaechlich vor sich hin fliesst.
Etwa 500 m flussabwaerts von Puerto Barantilla liegt Runa Huasi (eine Lodge). Vom Flussufer fuehren Steintreppen zu einem schmalen Weg, an dessen Seiten ein paar Huetten stehen. Am Ende des Weges hat es einen grossen Pavillon mit Kueche, Esstischen, 3 Haengematten und einem Feuerplatz.
Unser Zimmer war in der Naehe vom Essplatz und hatte 4 Betten. Dort gibt es keinen Strom, also hat jedes Zimmer etwa 2 Kerzen, eine fuer im Bad und eine fuer im Schlafzimmer.
Als wir ankamen, hatte es nur 2 weitere Gaeste, ein aelteres Paeaerchen aus Kanada. Beim Abendessen erzaehlte uns die Kanadierin, wie sie im Jahr 1969 zusammen mit einer Freundin eine Europa-Reise machte. Sie war damals 19. Das muss eine lustige Zeit gewesen sein...

Am naechsten Morgen konnten wir eine Gruppe von Affen beobachten, die neben dem Pavillon in den Baeumen herumsprangen. Nach dem Fruehstueck, verabschiedete sich das kanadische Paeaerchen und David und ich gingen mit Guido, unserem Guide (der Name passt =) fuer 3 Stunden im Urwald spazieren.Als erstes zeigte er uns eine Heilpflanze oder besser gesagt einen Heilbaum, der am Weg zu den Steintrepppen stand. Mit seiner Machete schlug er 2 Mal in die Rinde. Der Baum fing zu bluten an...die Fluessigkeit, die aus der Rinde kam, sah tatsaechlich aus wie Blut. "El sangre del Drago" nennen sie diesen heilenden Saft, der gut fuer alles sein soll. Wir probierten ein bisschen und es schmeckte sehr bitter, aber ich mochte es und ging spaeter nochmal hin.
Auf dem Spaziergang begegneten wir vielen nuetzlichen Pflanzen und Fruechten, wie zum Beispiel dem stachligen Baum, dessen Rinde die indigenen Leute als Raffel benuetzen, der giftigen gelben Wurzel, die sie fuer die Pfeilspitzen brauchen, dem Achiote, einer Frucht, dessen Samen rot faerben und fuer die Bemalung wichtig sind (auch fuer Speisen) und der frischen Kakao-Frucht,... Die Kakao-Frucht schmeckt wirklich nicht wie Kakao, aber ist trotzdem sehr gut. Unterwegs probierten wir viele Fruechte, die falsche Banane, eine kleine gruene Frucht und ein spargelaehnliches Gemuese. Wir probierten auch Ameisen, genauer die Zitronenameisen. Man schmeckte nicht wirklich den Zitronengeschmack, aber es war auf jeden Fall interessant.

Am Nachmittag gingen wir dann in den Amazoonico, ein Tierhilfecenter, in dem Tiere aus dem Urwald, die z.B. als Haustiere gehalten wurden, wieder an das Leben in der Natur gewoehnt werden. Einer der Voluntaere (ein Deutscher) fuehrte uns herum und erklaerte uns die Geschichten der Tiere. Die Ozelots (2 oder 3) wurden z.B. von einer Frau in ihrer Wohnung gehalten. Als sie groesser wurden, wurde es natuerlich problematisch und als sie einmal fuer etwa 2 Tage ausser Haus ging, demolierten die wilden "Kaetzchen" ihre ganze Wohnung und nach ihrer Rueckkehr wurde sie aus dem Rudel ausgeschlossen. Tja...
Die meisten Tiere hatten natuerlich ein Trauma erlitten und es gibt darunter leider auch welche, die man nicht mehr in die Wildnis entlassen kann. Eine Aeffin sitzt und schlaeft nur am Boden (in der Wildnis waere das der sichere Tod), ein anderer ist sehr gewalttaetig und so weiter... der Voluntaer (Dane heisst er) erzaehlte, wie jemand einmal mit einem Affen auf der Schulter vor dem Gehege gestanden hatte und gerade eine Touristengruppe herumfuehrte, als der Affe im Gehege ploetzlich durch das Gitter griff und dem armen Affen einen Arm ausriss...einfach so. Der arme Affe ueberlebte zum Glueck.
Eine weitere traurige Geschichte haengt ueber den Schildkroeten, die vor nicht allzu langer Zeit bei lebendigem Leibe von Menschen gefressen wurden. Schildkroeten sterben wohl recht langsam, so dass auch nachdem ein Loch in die Unterseite des Panzers gemacht wurde und schon Fleisch entnommen wurde, sie immer noch weiterleben und schrecklich leiden... Auch weil Schildkroeten lange Zeit ohne Nahrung auskommen und so frisches Fleisch nicht schlecht wird, wurden sie deshalb frueher von Piraten und anderen Seeleuten schamlos ausgenutzt.

Dane zeigte uns auch die Wasserschweine...habt ihr die schon mal gesehen?? Die sehen aus wie Riesenmeerschweinchen, eben so gross wie richtige Schweine. Sie sind die groessten Nagetiere, die es gibt, wenn ich mich richtig erinnere und leider auch vom aussterben bedroht. Als wir kamen knabberten sie gerade lautstark an gruenen Bananen herum, echt lustige Tiere. Dane erklaerte, dass sie extra bestimmte Fische in den See bzw. Teich nebenan angesiedelt haetten, damit diese den Dreck der Wasserschweine wegmachen. Danach haette es jedoch zu viele Fische gegeben und sie mussten einen Kaiman anschaffen, der die Fische frisst. Gegen den Kaiman haetten sie nichts, antwortete er lachend auf die Frage von David. Der sei jedoch sowieso gerade letztens abgehauen...

Nach dem Besuch des Amazoonicos hatten wir noch eine andere Fuehrung mit Guido geplant, wobei wir beide nicht so wirklich wussten, worum es ging. Wir vermuteten, es ginge um etwas mit Bojen, doch richtig verstanden hatten wir die Idee nicht. Wir wuerden es dann schon rausfinden, dachten wir und ergaben uns blind unserem Schicksal. Schlussendlich war es dann ein gemuetliches flussabwaerts-treiben auf grossen Gummibojen.

Am 2. Tag besuchten wir eine Familie (verwandte von Guido), die uns zeigte, wie man Chicha - ein Getraenk aus der Yuca-Wurzel - zubereitet. Zuerst jedoch fuehrte Guido uns vor, wie man mit dem Blasrohr umgeht, gar nicht so schwer...ich hatte zwar etwas Angst, dass ich ein Huhn treffe, denn die liefen gefaehrlich Nahe an der aufgespiessten Frucht, die als Zielscheibe diente, herum.
An diesem Tag kamen 2 neue Gaeste, diesmal ein junges Paeaerchen aus Deutschland. Waehrend des Abendessen fing ploetzlich einer der Hunde, die der Familie gehoeren, an zu bellen. Zuerst ignorierten wir ihn, doch nach einiger Zeit schien mir sein Gebell verdaechtig und ich stand auf um nachzusehen. Ganz in der Nahe unseres Tisches bellte er auf eine riesige haarige graeuliche Tarantel (nicht sehr giftig). Das Tier wurde von Guido mit 2 Stoecken aufgegabelt und entfernt.
Nach dem Abendessen ueberredeten wir die 2 Deutschen zu einer Nachtfahrt, um vielleicht ein paar nachtaktive Tiere (wie z.B. Kaimane) zu sehen. Wir sahen leider nur ein Paar silbrig blitzende Augen irgendwo im Gebuesch, doch auch so war der Ausflug ein Abenteuer. Der Anblick des Nachthimmels war atemberaubend. Noch lange Standen wir in der Dunkelheit vor unserer Huette und bestaunten die Sterne, die in der Abgeschiedenheit des Dschungels ganz besonders hell funkelten. 

Am naechsten Tag machten wir mit den zweien auch eine laengere Tour mit dem Holzkanu. In der Haelfte eines ausgehoelten Baumstammes sassen wir 4 und 2 Fuehrer (Guido und ein anderer), die mit langen Stoecken das Kanu flussaufwaerts stiessen. Nach einiger Zeit wurde das Sitzen ungemuetlich, doch es war die Sache wert. Als wir den Fluss Napo erreicht hatten und gegessen hatten, erlebten wir noch einen richtigen Tropenregen.
An diesem Abend reisten die 2 Deutschen leider wieder ab und wir waren wieder alleine. Zwar...nicht ganz, wie sich spaeter herausstellte. Waehrend ich meine Zaehne putzte und an die Wand ueber meinem Bett starrte, entdeckte ich eine weitere Besucherin auf einem Holzbalken. Die Tarantel wurde wieder mit Hilfe von einem Stock entfernt. Wir waren froh, sie entdeckt zu haben...

Am Tag darauf stand dann auch schon unsere Abreise bevor. In Tena ruhten wir einen Tag einfach mal aus und organisierten uns ein White Water River Rafting. Zusammen mit 2 Franzosen und unserem Guide kaempften wir waehrend etwa 6 Stunden gegen die mal mehr, mal weniger starken Stromschnellen an. Einmal kippten wir sogar alle aus dem Schlauchboot und ich hatte schon das Gefuehl ich muesse ertrinken...
Bevor wir am naechsten Tag den Bus nach Baños nahmen, gingen wir noch in den Tierpark.Nachdem ich den Schildkroeten eine Banane aus dem Gehege geklaut hatte, gelang es uns, einige der wild herumspringenden Aeffchen zu uns zu locken. Am Ende kletterten sie vergnuegt auf uns herum, frassen uns aus den Haenden und liessen uns fast nicht mehr gehen.

In Baños entspannten wir, indem ich morgens ein Dampfbad nahm und wir dann gemeinsam das koestliche Fruehstueck dort genossen. Spaeter gingen wir ins Mineralbad und obwohl wir uns vorerst vor der Bruehe ekelten, in der viele alte Leute herumduempelten, landeten wir zuletzt doch im heissesten Becken, dass irgendwie nach gekochten Leuten stank... gesund soll es trotzdem sein, also warum nicht. Es gibt ja Duschen...
Einmal leihten wir uns Fahrraeder und gingen uns ein paar der vielen umliegenden Wasserfaelle ansehen. Die knapp 20 Kilometer legten wir in einem wahren Schneckentempo zurueck, da wir alle paar 100 m eine Fotosession einlegten. Sportlich wie wir sind, nahmen wir dann ein Taxi zurueck nach Baños.

Am 6. April machten wir uns auf den Weg in Richtung Cuenca, mit einem Zwischenstopp in Riobamba, von wo aus wir den Bus nach Alausi nahmen um den beruehmten NARIZ DEL DIABLO zu sehen.

TAM TAM TAAAAAAAAAAM


--Fani

3 Kommentare 6.5.08 21:42, kommentieren

Dem Teufel auf der Nase herumtanzen

Der Nariz del Diablo ist eine Attraktion. Einerseits wegen der spektakulaeren gruenen Andenlandschaft, andererseits wegen der (in Ecuador soweit ich weiss einzigen) Zuglinie, die, von Riobamba nach Simbambe fuehrend, hier auf einem ausgekluegelten System von Spitzkehren mehrere hundert Hoehenmeter auf kleinster Strecke ueberwindet. Besonderer Clou dabei: Wer will und vor allem Platz findet, der kann es sich auf dem Dach des Zuges, mit 360º Rundumblick "bequem" machen

Wir waren ziemlich skeptisch eingestellt, sind solche exklusiv fuer Touristen gedachte Veranstaltungen doch immer... naja, verdammt touristisch halt. Haette die Zugstrecke nicht sowieso auf unserem Weg von Baños nach Cuenca gelegen, ich glaube kaum, dass wir deswegen groessere Umwege in Kauf genommen haetten. Aber wenn man schon mal da ist waers ja doof, sich wegen einer Handvoll schmerbaeuchiger Bauchtaschentouristen ein potentiell sehr schoenes Erlebnis entgehen zu lassen. Also, Ticket gekauft und ab dafuer.

Nach der naechtlich-fruehmorgendlichen Busfahrt von Riobamba nach Alausi standen wir dann also im Bahnhofhaeuschen, zusammen mit vielen anderen, zu unserer Erleichterung auch aus juengeren Reisenden bestehenden Touristen aus In- und Ausland. Unsere Rucksaecke durften wir im Gepaeckraum lassen, unter eher sporadischer Aufsicht eines Bahnhofwaerters. Wird schon niemand klauen.
Der Zug war dann eine kleine Enttaeuschung: es war keiner. Statt dessen wartete ein motorisiertes bahnwaggon-aehnliches Gefaehrt auf uns. Das kleine Bisschen Authentizitaet, das vom urspruenglichen Bahnerlebnis uebriggeblieben sein sollte, ging also ebenfalls floeten. Auf dem Dach gabs fuer uns keinen Platz mehr und die Fensterplaetze im Wagen drin waren auch schon alle besetzt, so dass wir uns mit Gangplaetzen mit beschraenkter Aussicht begnuegen mussten. Leise Frustration stieg auf. Waehrend der holprigen, vom roehrenden Motorgeraeuschen begleiteten Talfahrt sahen wir dementsprechend wenig. Fani erwischte immerhin einen Platz auf der rechten, talzugewandten Seite, waehrend an meinem Fenster nur oede Felswaende vorbeizogen. Auf dem Weg nach unten hielt der Wagen einige male an, so dass wir aussteigen und Fotos machen konnten. Und die Landschaft entschaedigte schon ziemlich viel. Na gut, wir hatten ja schon einiges an Andenhochland gesehen und waren deshalb vielleicht nicht ganz so geplaettet vom bilderbuchhaften Panorama wie die ganz gruenohrigen Touris. Aber doch, die idyllischen grasbedeckten Huegel, die Wasserfaelle, die an steilen Abgruenden in die Tiefe fallen, der makellose Postkartenhimmel, das alles war die 8 Dollar wert, die der Ausflug kostete.
Unten im Tal wurden dann die Plaetze gewechselt, die vom Dach mussten rein und die von drinnen durften rauf. So jedenfalls die Theorie, ganz alle Gewillten schafften es dann doch nicht auf die gitterumrandete Plattform; ich murkste mich ganz zum Schluss noch rauf und fand nur noch mitten im Getuemmel Platz, waehrend Fani ihre Beine ueber den Rand baumeln lassen konnte. Wegen der Aussicht kein Problem, die war auch von meinem Platz aus ganz fantastisch, nur so ganz bequem war es nicht. Das hatte vor allem einen Grund, und dieser Grund ging mir proportional zu den gewonnenen Hoehenmetern immer mehr auf die Eier ('tschuldigung). Hier eine Skizze des Daches aus der Obenansicht:

 ____
{<^>}
{<«#}
{F@>}
{<^>}
{<^>}
{<^>}
{<^>}
 ¯¯¯¯

Legende:

{ } _  : Umrandung
<  ^  >: Passagiere in der entsprechenden Sitzrichtung
F: Fani
@: Mein Oberkoerper
«: Meine Beine, angewinkelt
#: Grund meines Problems

Also, nehmt euch Zeit die Skizze eingehend zu studieren, sie wird sich fuer das Verstaendnis folgender spektakulaeren Schilderungen als unumgaenglich zeigen.
Der Grund meines Problems sass also rechts meiner Beine. Hinter der Fassade einer aelteren, dicken Frau vermute ich den Teufel hoechstpersoenlich, meine Recherchen konnten dies bisher aber nicht hundertprozentig beweisen. Die Frau sprach spanisch und kreischte waehrend der ganzen Fahrt immerzu wie ein Sportreporter in ihre Kamera, um auf besonders beeindruckende Wasserfaelle, besonders runde Huegel, besonders gruene Grashalme, besonders harte Steine und die besonders helle Sonne aufmerksam zu machen, sprich: auf alles. Danke schonmal dafuer.
Als waere das allein nicht schon fast Grund genug, mich verzweifelt vom Wagen zu werfen, verwechselte sie meine Beine auch noch mit einer bequemen Rueckenlehne. Statt wie alle anderen ihre Beine ueber den Rand baumeln zu lassen, rutschte sie mit der Zeit immer mehr nach hinten, so dass ihre dicken Beine zum Schluss voellig gestreckt auf der Plattform lagen und ihr Ruecken gegen meine jetzt schon ungesund verrenkten Beine drueckten. Nach anfaenglicher Gegenwehr in Form von Gegendruecken und angesetzen Kniestoessen in ihren Ruecken, die unter dem massiven Gewicht ihres an mich lehnenden Koerpers aber leider nur Ansaetze blieben, gab ich mich schliesslich meinem unbequemen Schicksal hin und hoffte, oben ohne schwerere Muskelzerrungen vom Dach steigen zu koennen (was gluecklicherweise der Fall war)

Trotzdem war der Ritt auf dem Wagendach und der Nariz del Diablo als Ganzes eine beeindruckende Sache und haette ich meine Kamera nicht zwei Wochen spaeter in Peru verloren, haetten meine Fotos und Videos das auch belegen koennen :/ (Kamera mittlerweile ersetzt, trotzdem doof).

Das wars von da, bis zum naechsten Eintrag,

--David

 

4 Kommentare 16.5.08 02:07, kommentieren


Werbung