Einsames Quito


Das Paradies ist oft nicht von langer Dauer, das haben schon Adam und Eva lernen muessen. Bei uns kam diese Erkenntnis zwar nicht wirklich ueberraschend, schliesslich haben wir das Paradies nur fuer 8 Tage gebucht. Trotzdem, wir haetten es sicher noch etwas laenger dort ausgehalten. Ums kurz zu machen, wir sind wieder zurueck von den Galapagos, zurueck in Quito und sind noch etwas benommen von den ganzen Eindruecken, die in der letzten Woche auf uns gewirkt haben.
Der Bericht muss aber noch ein bisschen warten, zuerst muss ich mir meine einsame Woche in Quito von der Seele schreiben, der Komplettheit halber.

Also, nach meinen vier zunehmend intensiven Wochen in Cuenca flog ich am 8. Maerz wieder zurueck nach Quito und liess eine facettenreiche Zeit mit vielen Bekanntschaften und Gefuehlen hinter mir. Ich hatte keine Plaene und keine Erwartungen; ich stand vor einer Woche leerer Zeit, die es irgendwie auszufuellen gab. Das Hotel hatte ich schon in Cuenca gebucht, ein einfaches aber saubers Zimmer zwischen der neuen und der alten Stadt. Das hatte zwar seine Vorteile, naehmlich dass man zu Fuss die beiden Zentren in etwa 20-30 Minuten erreichen konnte und somit nach Lust und Laune ohne Taxi und Bus entscheiden konnte, ob man lieber die schoene koloniale Altstadt besichtigen oder es sich in einer der zahlreichen Bars oder Restaurants in der Neustadt gemuetlich machen will. Der Nachteil dieses Zwischen-den-Stuehlen-Lebens ist, dass man dabei auch durch weniger angenehme Nachbarschaften gehen muss, was vor allem nachts nicht empfehlendswert ist. Als einzige Moeglichkeit bleibt da das Taxi. Und auch wenn diese hier nicht teuer sind, so kommt doch einiges zusammen wenn man sie regelmaessig in Anspruch nimmt. Und so setzte ich lieber meine Tradition aus Cuenca fort, abends gar nichts zu essen und blieb nach acht Uhr einfach im Hotel.

Ich muss gestehen, dass ich in dieser Woche eigentlich gar nichts gemacht habe. Ich habe weder irgendwelche Ausfluege unternommenn, noch Leute kennen gelernt, noch sonst viel erwaehnenswertes erlebt. Dazu muss ich sagen, dass der staendige Regen auch nicht wirklich motivierend wirkte. Wenigstens meinen 1100-Seiten-Waelzer (John Irving: Bis ich dich finde), den ich eigentlich ueberhaupt nicht mochte, habe ich fertig gelesen, meistens in Cafes oder Restaurants. Ich kann nur schlecht beschreiben, wie ich mich fuehlte. Irgendwie leer. Ich vermisste die Menschen in Cuenca, den Kontakt, die schoene Zeit mit ihnen. Andererseits hatte ich keine wirkliche Lust, mich in Quito unter die Leute zu mischen. Ich schwebte irgendwie einsam vor mich hin, fast wie letzten Herbst auf dem Jakobsweg in Spanien. Aber es war keineswegs eine unglueckliche Zeit, diese Woche in Quito, ich brauche das wahrscheinlich ab und zu, das Alleinsein.

Hm, mehr gibts eigentlich nicht zu sagen, dafuer umso mehr ueber Galapagos. Deshalb mache ich fuer heute Schluss, bald gibts also einen etwas interessanteren Eintrag.

Bis dahin,
--David

24.3.08 18:36

Werbung


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(25.3.08 02:53)
Hallo David,
der fröhliche Eintrag hat mich SEHR gefreut und hoffentlich gibt's noch viele weitere in solcher Stimmung.
Dieser da ist aber halt einer von der Sorte, die auch zum Lebenserfahrungensammeln gehört - wenn dann die Anderen wieder folgen, ist ja die Welt in Ordnung, oder?
Alle gute Wünsche und viele liebe Grüsse an euch beide aus tief verschneiten Bern,
j.


(25.3.08 03:15)
Se enkrat se oglasam samo zate, ljubica moja. Upam, da se ze lahko spet veselis potovanja v pragozd, kljub temu, da je - se ne opisani, ampak ocitno precudovit - Galapagos za teboj. Kadar je kaj zares lepega mimo, clovek kar tezko verjame, da lahko nadaljevanje to dozivetje doseze, kaj sele preseze...da ne govorim o tem, da je slovo pogosto v najboljsem slucaju zalosten dogodek.
Kraje, ljudji, srecanja, vse prelepe trenutke lahko samo dozivljamo z iskrenim veseljem, nicesar pa ne moremo zadrzati v toku casa.
Mislim nate in te objemam z zeljo, da bos kmalu spet nasmejana korakala novim dozivetjim naproti.
Poljubcek, mami


Ruth (25.3.08 19:36)
Hallo David

Nach so vielen Erlebnissen in Cuenca hast du eine einsame Woche in Quito verbracht. So wie ich dich kenne, käme es mir tatsächlich "spanisch" vor, wenn du dich nicht hin und wieder mal zurückziehen und der Einsamkeit frönen kannst. Du hast es in deinem Bericht "Cuenca" so schön beschrieben, wie Sonnenstrahlen und Regentropfen gemeinsam auf dein Gesicht gefallen sind, sich neu definiert haben, eben Kontraste aus denen das Leben entsteht. Einsamkeit und Gemeinsamkeit, Tag und Nacht, Freud und Leid.... So wünsche ich dir auf deiner Reise mit all den Gegensätzen weiterhin alles Liebe.
ma


Ruth (28.3.08 17:31)
Hallo David, hallo Fani
Ich soll Euch einen lieben Gruss von Lily K. von "La Soupe" ausrichten. War heute dort und habe eine Ecuatorianische Bauernsuppe "Cotopaxi" gegessen, auch noch Schokolade von Ecuador!!
Und überhall haben die Leute spanisch gesprochen. So konnte ich heute einen kurzen Abstecher nach Ecuador machen und habe natürlich ganz fest an euch gedacht.
Liebe Grüsse
Ruth

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen


Werbung