En la selva (27. Maerz - 6. April)

Um 6.00 Uhr morgens (2 Tage nach der Rueckkehr von den Galapagos-Inseln) klingelte der Wecker. Ich haette gern noch weiter geschlafen, aber um am Nachmittag unser Boot zu erwischen, mussten wir den 9-Uhr-Bus von Quito nach Tena nehmen. Also stand ich auf und packte meine Sachen. Nachdem wir unsere Waesche beim Waescheservice abgeholt hatten und etwas Geld abgehoben hatten, schnappten wir uns ein Taxi und fuhren zum Busbahnhof. Es ist sehr einfach in Ecuador den richtigen Bus zu finden, weil die Kassierer auf dich zukommen und fragen, wohin du willst. Dann fuehren sie dich zum Ticketschalter bzw. Bus.
Der Kassierer von unserem Bus sah irgendwie aus wie die Latino-Version von Leonardo di Caprio. Er hatte so eine laessige Art. Eigentlich sind alle Kassierer recht laessig. Der durchschnittliche Kassierer haengt zuerst in der Tuer und ruft den Leuten am Strassenrand den Zielort zu. Dann springt er vom noch fahrenden Bus und versucht die Leute zusammenzutrommeln. Als der Bus schon wieder losfahren will und man das Gefuehl hat, er kommt nicht mehr, ist er ploetzlich wieder da und haengt in der Tuer.
Nach dem Verlassen der Stadt, haelt der Bus nur noch selten an, um ein paar Leute aufzugabeln. Pinkelpausen machen die meisten Busse nicht, auch wenn die Fahrt 5 oder 6 Stunden dauert und man die Beine schon fast nicht mehr spuert (wie in unserem Fall an diesem Tag). Womoeglich ist dies das Geheimnis des Gestanks nach Urin, der nicht selten in diesen Bussen herrscht...*wuerg*
Der Bus nach Tena hatte nicht einmal ein Klo, also musste ich nach etwa 2,5 Stunden um einen kurzen Halt bitten. Er waere dann fast ohne mich losgefahren, waere David nicht gewesen.

Je naeher wir dem Dschungel kamen, desto mehr veraenderte sich die Vegetation, es wurde gruener, man sah mehr Palmen. Auch am Temperaturunterschied merkte man, dass man die Anden hinter sich gelassen hatte.
In Tena nahmen wir den Bus nach Barantilla. Die Fahrt dauert normalerweise etwa 1 Stunde, wir hatten aber etwa eine halbe Stunde laenger, weil ein Baumstamm ueber dem Strassengraben lag und unser Bus mit dem Gepaeck auf dem Dach zu hoch war. Trotz der Verspaetung wartete ein Motorboot in Barantilla auf uns.

Der Rio Arajuno - ein kleiner Zufluss des Rio Napo, der durch das Amazonasbecken fliesst und spaeter in den Amazonas muendet - liegt mitten im Urwald. Es sieht genau so aus, wie ich es aus Dokumentarfilmen und Fotos ueber den Amazonas kenne. Grosse, von Lianen umschlungene Baeume haengen ueber dem breiten gruenlichen Fluss, der gemaechlich vor sich hin fliesst.
Etwa 500 m flussabwaerts von Puerto Barantilla liegt Runa Huasi (eine Lodge). Vom Flussufer fuehren Steintreppen zu einem schmalen Weg, an dessen Seiten ein paar Huetten stehen. Am Ende des Weges hat es einen grossen Pavillon mit Kueche, Esstischen, 3 Haengematten und einem Feuerplatz.
Unser Zimmer war in der Naehe vom Essplatz und hatte 4 Betten. Dort gibt es keinen Strom, also hat jedes Zimmer etwa 2 Kerzen, eine fuer im Bad und eine fuer im Schlafzimmer.
Als wir ankamen, hatte es nur 2 weitere Gaeste, ein aelteres Paeaerchen aus Kanada. Beim Abendessen erzaehlte uns die Kanadierin, wie sie im Jahr 1969 zusammen mit einer Freundin eine Europa-Reise machte. Sie war damals 19. Das muss eine lustige Zeit gewesen sein...

Am naechsten Morgen konnten wir eine Gruppe von Affen beobachten, die neben dem Pavillon in den Baeumen herumsprangen. Nach dem Fruehstueck, verabschiedete sich das kanadische Paeaerchen und David und ich gingen mit Guido, unserem Guide (der Name passt =) fuer 3 Stunden im Urwald spazieren.Als erstes zeigte er uns eine Heilpflanze oder besser gesagt einen Heilbaum, der am Weg zu den Steintrepppen stand. Mit seiner Machete schlug er 2 Mal in die Rinde. Der Baum fing zu bluten an...die Fluessigkeit, die aus der Rinde kam, sah tatsaechlich aus wie Blut. "El sangre del Drago" nennen sie diesen heilenden Saft, der gut fuer alles sein soll. Wir probierten ein bisschen und es schmeckte sehr bitter, aber ich mochte es und ging spaeter nochmal hin.
Auf dem Spaziergang begegneten wir vielen nuetzlichen Pflanzen und Fruechten, wie zum Beispiel dem stachligen Baum, dessen Rinde die indigenen Leute als Raffel benuetzen, der giftigen gelben Wurzel, die sie fuer die Pfeilspitzen brauchen, dem Achiote, einer Frucht, dessen Samen rot faerben und fuer die Bemalung wichtig sind (auch fuer Speisen) und der frischen Kakao-Frucht,... Die Kakao-Frucht schmeckt wirklich nicht wie Kakao, aber ist trotzdem sehr gut. Unterwegs probierten wir viele Fruechte, die falsche Banane, eine kleine gruene Frucht und ein spargelaehnliches Gemuese. Wir probierten auch Ameisen, genauer die Zitronenameisen. Man schmeckte nicht wirklich den Zitronengeschmack, aber es war auf jeden Fall interessant.

Am Nachmittag gingen wir dann in den Amazoonico, ein Tierhilfecenter, in dem Tiere aus dem Urwald, die z.B. als Haustiere gehalten wurden, wieder an das Leben in der Natur gewoehnt werden. Einer der Voluntaere (ein Deutscher) fuehrte uns herum und erklaerte uns die Geschichten der Tiere. Die Ozelots (2 oder 3) wurden z.B. von einer Frau in ihrer Wohnung gehalten. Als sie groesser wurden, wurde es natuerlich problematisch und als sie einmal fuer etwa 2 Tage ausser Haus ging, demolierten die wilden "Kaetzchen" ihre ganze Wohnung und nach ihrer Rueckkehr wurde sie aus dem Rudel ausgeschlossen. Tja...
Die meisten Tiere hatten natuerlich ein Trauma erlitten und es gibt darunter leider auch welche, die man nicht mehr in die Wildnis entlassen kann. Eine Aeffin sitzt und schlaeft nur am Boden (in der Wildnis waere das der sichere Tod), ein anderer ist sehr gewalttaetig und so weiter... der Voluntaer (Dane heisst er) erzaehlte, wie jemand einmal mit einem Affen auf der Schulter vor dem Gehege gestanden hatte und gerade eine Touristengruppe herumfuehrte, als der Affe im Gehege ploetzlich durch das Gitter griff und dem armen Affen einen Arm ausriss...einfach so. Der arme Affe ueberlebte zum Glueck.
Eine weitere traurige Geschichte haengt ueber den Schildkroeten, die vor nicht allzu langer Zeit bei lebendigem Leibe von Menschen gefressen wurden. Schildkroeten sterben wohl recht langsam, so dass auch nachdem ein Loch in die Unterseite des Panzers gemacht wurde und schon Fleisch entnommen wurde, sie immer noch weiterleben und schrecklich leiden... Auch weil Schildkroeten lange Zeit ohne Nahrung auskommen und so frisches Fleisch nicht schlecht wird, wurden sie deshalb frueher von Piraten und anderen Seeleuten schamlos ausgenutzt.

Dane zeigte uns auch die Wasserschweine...habt ihr die schon mal gesehen?? Die sehen aus wie Riesenmeerschweinchen, eben so gross wie richtige Schweine. Sie sind die groessten Nagetiere, die es gibt, wenn ich mich richtig erinnere und leider auch vom aussterben bedroht. Als wir kamen knabberten sie gerade lautstark an gruenen Bananen herum, echt lustige Tiere. Dane erklaerte, dass sie extra bestimmte Fische in den See bzw. Teich nebenan angesiedelt haetten, damit diese den Dreck der Wasserschweine wegmachen. Danach haette es jedoch zu viele Fische gegeben und sie mussten einen Kaiman anschaffen, der die Fische frisst. Gegen den Kaiman haetten sie nichts, antwortete er lachend auf die Frage von David. Der sei jedoch sowieso gerade letztens abgehauen...

Nach dem Besuch des Amazoonicos hatten wir noch eine andere Fuehrung mit Guido geplant, wobei wir beide nicht so wirklich wussten, worum es ging. Wir vermuteten, es ginge um etwas mit Bojen, doch richtig verstanden hatten wir die Idee nicht. Wir wuerden es dann schon rausfinden, dachten wir und ergaben uns blind unserem Schicksal. Schlussendlich war es dann ein gemuetliches flussabwaerts-treiben auf grossen Gummibojen.

Am 2. Tag besuchten wir eine Familie (verwandte von Guido), die uns zeigte, wie man Chicha - ein Getraenk aus der Yuca-Wurzel - zubereitet. Zuerst jedoch fuehrte Guido uns vor, wie man mit dem Blasrohr umgeht, gar nicht so schwer...ich hatte zwar etwas Angst, dass ich ein Huhn treffe, denn die liefen gefaehrlich Nahe an der aufgespiessten Frucht, die als Zielscheibe diente, herum.
An diesem Tag kamen 2 neue Gaeste, diesmal ein junges Paeaerchen aus Deutschland. Waehrend des Abendessen fing ploetzlich einer der Hunde, die der Familie gehoeren, an zu bellen. Zuerst ignorierten wir ihn, doch nach einiger Zeit schien mir sein Gebell verdaechtig und ich stand auf um nachzusehen. Ganz in der Nahe unseres Tisches bellte er auf eine riesige haarige graeuliche Tarantel (nicht sehr giftig). Das Tier wurde von Guido mit 2 Stoecken aufgegabelt und entfernt.
Nach dem Abendessen ueberredeten wir die 2 Deutschen zu einer Nachtfahrt, um vielleicht ein paar nachtaktive Tiere (wie z.B. Kaimane) zu sehen. Wir sahen leider nur ein Paar silbrig blitzende Augen irgendwo im Gebuesch, doch auch so war der Ausflug ein Abenteuer. Der Anblick des Nachthimmels war atemberaubend. Noch lange Standen wir in der Dunkelheit vor unserer Huette und bestaunten die Sterne, die in der Abgeschiedenheit des Dschungels ganz besonders hell funkelten. 

Am naechsten Tag machten wir mit den zweien auch eine laengere Tour mit dem Holzkanu. In der Haelfte eines ausgehoelten Baumstammes sassen wir 4 und 2 Fuehrer (Guido und ein anderer), die mit langen Stoecken das Kanu flussaufwaerts stiessen. Nach einiger Zeit wurde das Sitzen ungemuetlich, doch es war die Sache wert. Als wir den Fluss Napo erreicht hatten und gegessen hatten, erlebten wir noch einen richtigen Tropenregen.
An diesem Abend reisten die 2 Deutschen leider wieder ab und wir waren wieder alleine. Zwar...nicht ganz, wie sich spaeter herausstellte. Waehrend ich meine Zaehne putzte und an die Wand ueber meinem Bett starrte, entdeckte ich eine weitere Besucherin auf einem Holzbalken. Die Tarantel wurde wieder mit Hilfe von einem Stock entfernt. Wir waren froh, sie entdeckt zu haben...

Am Tag darauf stand dann auch schon unsere Abreise bevor. In Tena ruhten wir einen Tag einfach mal aus und organisierten uns ein White Water River Rafting. Zusammen mit 2 Franzosen und unserem Guide kaempften wir waehrend etwa 6 Stunden gegen die mal mehr, mal weniger starken Stromschnellen an. Einmal kippten wir sogar alle aus dem Schlauchboot und ich hatte schon das Gefuehl ich muesse ertrinken...
Bevor wir am naechsten Tag den Bus nach Baños nahmen, gingen wir noch in den Tierpark.Nachdem ich den Schildkroeten eine Banane aus dem Gehege geklaut hatte, gelang es uns, einige der wild herumspringenden Aeffchen zu uns zu locken. Am Ende kletterten sie vergnuegt auf uns herum, frassen uns aus den Haenden und liessen uns fast nicht mehr gehen.

In Baños entspannten wir, indem ich morgens ein Dampfbad nahm und wir dann gemeinsam das koestliche Fruehstueck dort genossen. Spaeter gingen wir ins Mineralbad und obwohl wir uns vorerst vor der Bruehe ekelten, in der viele alte Leute herumduempelten, landeten wir zuletzt doch im heissesten Becken, dass irgendwie nach gekochten Leuten stank... gesund soll es trotzdem sein, also warum nicht. Es gibt ja Duschen...
Einmal leihten wir uns Fahrraeder und gingen uns ein paar der vielen umliegenden Wasserfaelle ansehen. Die knapp 20 Kilometer legten wir in einem wahren Schneckentempo zurueck, da wir alle paar 100 m eine Fotosession einlegten. Sportlich wie wir sind, nahmen wir dann ein Taxi zurueck nach Baños.

Am 6. April machten wir uns auf den Weg in Richtung Cuenca, mit einem Zwischenstopp in Riobamba, von wo aus wir den Bus nach Alausi nahmen um den beruehmten NARIZ DEL DIABLO zu sehen.

TAM TAM TAAAAAAAAAAM


--Fani

6.5.08 21:42

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Ruth (6.5.08 22:58)
Liebe Fani, lieber David
Heute verwöhnt ihr uns mit euren Erlebnisberichten. Morgen nach dem Aufstehen lese ich den Galagaposbericht, abends vor dem Schlafengehen kann ich noch einen Abstecher in den Urwald machen.
Vor genau drei Monaten habt ihr eure Reise begonnen. Eine Reise, die ihr so ungeheuer spannend, aufregend, voller Erlebnisse beschreibt.
Hier ist es inzwischen Frühling geworden. War vorhin auf dem Balkon, es ist eine sternenklare milde Nacht. (Sicher niemals so klar und hell, wie im Urwald.)
Habts weiterhin gut und liebe Grüsse
Ruth


(7.5.08 09:42)
Ljubica moja, kaksno darilo ob trimesecnem jubileju tvojega odhoda in mojega cakanja na tvoje bloge! Malo se hecam...cudoviti dozivljaji in tudi tako napisani, da se ob branju cudovito (seveda tudi zavistno!) pocutim. Tudi iz tebe je nastala prava potopisna potepuska. Nimas pojma, s kaksnim ponosom se jaz(!) tukaj hvalim, kako ti premagujes juznoamerisko divjino!
Objemam te, miskulja moja, s kanuji in nahrbtniki polnimi poljubckov (so breztezni) in zelim tebi in Davidu se naprej vse najlepse in najboljse. mami

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